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Hans-Henning Becker-Birck

Landrat Becker-Birck

Hans-Henning Becker-Birck

Becker-Birck, Hans-Henning
(geboren als Hanshenning Leo Robert Matthias
*26.9.1937 Hohenstein/Ostpreußen, † 31.1.2013 Bad Honnef/Bonn)
Jurist, Landrat

Becker-Birck lebte in Neidenburg/Ostpreußen, bis seine Familie 1944 kriegsbedingt nach Niedersachsen flüchtete. Nach dem Abitur 1958 in Soltau folgte 1958-1962 das Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen, München und Kiel. Während seiner Referendarzeit 1963-1967 promovierte Becker-Birck 1966 an der Universität Kiel zum "Insichprozess der Verwaltungsgerichtsbarkeit". Anschließend trat er als Beamter in den Dienst des Landes Schleswig-Holstein ein.

Zwischen 1967 und 1971 arbeitete er für das Innenministerium, wobei er ab September 1967 für zwei Jahre zur Verwaltung des Kreises Herzogtum Lauenburg nach Ratzeburg abgeordnet wurde. Dort erwarb er zunächst als Leiter der Kreisordnungsbehörde, dann als juristischer Vertreter des Landrats, Leiter der Kommunalaufsicht sowie fachlicher und juristischer Berater verschiedener Ämter umfassende Kenntnisse in einer kommunalen Verwaltung. Nach dem Ausscheiden des Lauenburger Landrats aus dem Amt leitete Becker-Birck 1969 zusammen mit dem Vertreter des Landrats im Kreisausschuss eigenverantwortlich die Kreisverwaltung.

Ab September 1969 arbeitete er ein halbes Jahr in der Landesbank und Girozentrale Schleswig-Holstein in Kiel, ehe er im März 1970 im Innenministerium für die Sparkassenaufsicht und die Neuordnung der Ämter zuständig wurde. Im Juni wechselte Becker-Birck in die Staatskanzlei des Ministerpräsidenten, um dort die Arbeit des Innenministeriums mit den anderen Ministerien zu koordinieren. Ein Jahr später wurde er persönlicher Referent des damaligen Innenministers Robert Titzck. Ab Mai 1975 übernahm er schließlich Aufgaben eines Planungsbeauftragten, Kabinett- und Landtagsverbindungsreferenten des Innenministers.

Im April 1975 bewarb sich Becker-Birck auf die im Herbst freiwerdende Stelle des Landrats des Kreises Stormarn. Am 30.5.1975 wählte ihn der Kreistag für die Dauer von 12 Jahren. In seiner Antrittsrede zur Einführung und Vereidigung am 1.9.1975 kennzeichnete Becker-Birck die Schwerpunkte seiner zukünftigen Arbeit: Der Sorge um die Finanzen des Kreises, dem Ausbau des Berufsschulwesens, vermehrten Gewerbe- und Industrieansiedlungen, dem immer mehr an Bedeutung gewinnenden Umweltschutz sowie der Sportförderung und Naherholung wollte er sich verstärkt widmen.

Die Zeit des "ungebremsten Wachstums" war spätestens Mitte der 1970er Jahre Vergangenheit, der neue Landrat musste in einem durch den Strukturwandel der Nachkriegsjahrzehnte suburbanisierten Stormarn Akzente setzen. Zusammen mit den Kommunen des Kreises sollte eine zeitgemäße "Strategie der mageren Jahre" entwickelt werden. Durch vielfache Kreisbereisungen intensivierte Becker-Birck die Kontakte zu Bürgermeistern und Amtsvorstehern. Die sogenannten Bürgermeisterdienstversammlungen gewannen durch überregionale Referenten an Profil, wobei auch hierbei die guten Kontakte des Landrats nach Kiel nützlich waren.

Dennoch war Becker-Bircks Amtszeit geprägt durch eine kontinuierliche Fortführung der Modernisierung des Kreises Stormarn in der sich entwickelnden Metropolregion. Viele Bauten entstanden oder bestehende wurden erweitert. Dazu zählten u. a. der Neubau der Beruflichen Schulen in Bad Oldesloe (1975-1977) ebenso wie die Erweiterung der Woldenhornschule in Ahrensburg (1980/81) oder der Ausbau der Kreisgymnasien in Bargteheide und Trittau. Parallel wurden viele Sportstätten für den Kreis in Anbindung an Schulen geschaffen. Das Kreiskrankenhaus in Bad Oldesloe entwickelte sich zu einem modernen medizinischen Zentrum.

Zudem setzte sich der Landrat für die Schaffung eines kreisweiten Rettungswesens ein. Die Kreisschlauchpflegerei in Nütschau wandelte sich 1977/78 zur Kreisfeuerwehrausbildungszentrale. Auch die Kreisheime profitierten davon, so etwa das Kreisjugendheim in Lütjensee mit einer Erweiterung 1980/81. Infrastrukturelle Maßnahmen wie neue oder ausgebaute Kreisstraßen sorgten für gute Verkehrsanbindung. Besonders die Verlängerung des Ahrensburger Ostringes zur A 1 oder die Südtangente und Verlängerung der K 80 im Raum Glinde waren für die wirtschaftliche Entwicklung des Kreises von Bedeutung.

Für die Naherholung spielte neben dem Natur- und Landschaftsschutz auch der kreisweite Ausbau des Radwegenetzes eine Rolle. Das "Waldprogramm Stormarn" leistete ab 1985 einen aktiven Beitrag zur Aufforstung der Waldgebiete im Kreis gegen das Waldsterben. Dem steigenden Bedürfnis nach einer intakten Umwelt trug der Landrat mit der Errichtung eines eigenen Umweltamtes Anfang 1985 Rechnung. Dorferneuerungs- und Reetdachprogramme verbesserten das Aussehen vieler Orte in Stormarn.

Die großen denkmalpflegerischen Leistungen wie die Restaurierung des Schlosses Reinbek (1977-1987), des Schlosses Ahrensburg (1977-1988) oder von Jersbeker Allee (1976) und Jersbeker Park (1984-1986) prägten ebenso Becker-Bircks Amtszeit wie eine Reihe kulturpolitischer Entscheidungen. Dazu zählen u. a. die Neuorganisation des Büchereiwesens mit Inbetriebnahme einer Kreisfahrbücherei (ab 1976), Anstellung eines Kreiskulturreferenten (1980) oder Einrichtung eines Kreisarchivs in den 1980er Jahren.

Mit Gründung einer Kulturstiftung der damaligen Kreissparkasse Stormarn (1983) wurde der Grundstein für eine vielfältige kulturelle Förderung im Kreisgebiet gelegt. Ausstellungen mit namhaften Künstlern sowie die Intensivierung der Publikationsreihe "Stormarner Hefte" leisteten einen entscheidenden Beitrag zur Wahrnehmung eines kulturellen Bewusstseins für Stormarn.

Becker-Birck setzte sich zudem für eine Modernisierung der Kreisverwaltung ein. Die noch preußisch-hierarchisch geprägten Strukturen seiner Vorgänger wichen nach und nach modernem Verwaltungsmanagement, was u. a. die Ausweitung der regelmäßigen Verwaltungsbesprechungen auf alle Amtsleiter einschloss. Bald erfolgte die Umstrukturierung der alten Ämter in Dezernate, welche wiederum in Ämter untergliedert wurden.

Das Verwaltungshandeln gewann für die Einwohner Stormarns durch Einsetzen eines landesweit ersten Pressesprechers an Transparenz. Zusätzlich ist die konstruktive Zusammenarbeit mit den politischen Gremien des Kreises hervorzuheben, auch wenn Themen wie beispielsweise die Un-terbringung von Asylanten in den 1980er Jahren Kontroversen hervorriefen.

Am 11.3.1987 bestätigte der Kreistag die Wiederwahl des Landrats für weitere 12 Jahre. Doch zum 1.1.1990 wechselte Becker-Birck in den Deutschen Landkreistag (DLT) nach Bonn und Berlin, da er "nochmals eine reizvolle Aufgabe annehmen wolle". Bereits in seiner Stormarner Zeit war er Mitglied im Finanzausschuss des DLT, als dessen Hauptgeschäftsführer er nun bis Ende 2001 fungierte.

Von den weiteren Ämtern, die Becker-Birck im Laufe seines Lebens ausübte, seien nur einige erwähnt. So übernahm er als langjähriges CDU-Mitglied 1978 bis 1988 den Landesvorsitz der Kommunalpolitischen Vereinigung (KPV) der CDU Schleswig-Holsteins. 1975 bis 1989 saß er im Verwaltungsrat des Norddeutschen Rundfunks und ab 1996 im ZDF-Fernsehrat. 2002 bis 2012 war er Mitglied des ZDF-Verwaltungsrates in Mainz.

Vor der angedachten Verlegung seines Wohnsitzes nach Schleswig-Holstein starb Becker-Birck durch einen häuslichen Unglücksfall.

BG