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Namen

Stormarn ist ursprünglich die Gebietsbezeichnung eines nordelbischen sächsischen Stammes, dessen Mittelpunkt Hamburg war. Adam von Bremen nennt in seiner Kirchengeschichte Ende des 11. Jahrhunderts die Bewohner "Stumarii". Die ursprüngliche germanische Bezeichnung lautet "Sturmwarija", gebildet aus dem Landschafts- oder Gaunamen "Sturma", also "Einwohner von Sturm". Diese alte Gau- und Einwohnerbezeichnung übertrug sich auf die schauenburgische Grafschaft "Stormaria" und tradierte sich als Herrschaftstitel im dänischen Königshaus ebenso wie in Gottorf, sogar nach Bildung des Herzogtums Holstein. Im Namen des heutigen Landkreises lebt diese Tradition fort in Siegel, Kreiswappen und Flagge.

Aus: Spallek, Johannes: Stormarn, Name. In: Stormarn-Lexikon. hrsg. von B. Günther. Wachholtz: Neumünster 2003. S. 351-352

Adam von Bremen, um 1075
„Et quoniam occasio se locorum prebuit, utile videtur exponere, quae gentes trans Albiam Hammaburgensi pertinentes sint dyocesi. Haec clauditur ab occidente occeano Brittannico, a meridie Albia flumine, ab oriente Pene flumine, qui currit in mare Barbarum, ab aquilone vero Egdore fluvio, qui Danos dirimit a Saxonibus. Transalbianorum Saxonum populi sunt tres. Primi ad occeanum sunt Tedmarsgoi, et eorum ecclesia mater in Melindorp. Secundi Holcetae, dicti a silvis, quas accolunt; eos Sturia flumen interluit, ecclesia Scanafeld. Tercii et nobiliores Sturmarii dicuntur, eo quod seditionibus ea gens frequens agitur. Inter quos metropolis Hammaburg caput extollit, olim viris et armis potens, patens in solitudinem redacta est; et quamvis decorem urbis amiserit, vires adhuc retinet metropolis, viduitatis suae dampna consolans in provectu filiorum, quos per totam septentrionis latitudinem suae legationi cotidie videt accrescere. De quibus etiam tam laeta clamare videtur: Annuntiavi et locuta sum, multiplicati sunt super numerum.“

„Da sich nun aber die Gelegenheit dargeboten hat, von diesen Gegenden zu reden, so scheint es nützlich anzugeben, welche Völker jenseits der Elbe zur Hammaburger Diözese gehören. Diese wird im Westen vom britannischen Ozean, im Süden von der Elbe, im Osten von der Pene eingeschlossen, welche in das Barbarenmeer mündet, im Norden aber vom Fluß Eider, der die Dänen von den Sachsen trennt. Die überelbischen Sachsen bestehen aus drei Völkern; die ersten am Ozean wohnenden sind die Tedmarsgoer1, deren Mutterkirche zu Melindorp2 ist; die zweiten die Holceten3, so genannt nach den Holzungen, an denen sie ihre Sitze haben. Durch das Land derselben fließt die Sturia4, und ihre Kirche liegt zu Scanafeld5. Die dritten und angesehensten werden Sturmaren genannt, darum weil dies Volk häufig vom Sturm des Aufruhrs bewegt wird. Unter diesen erhebt sich als Metropolis Hammaburg, das Haupt, einst mächtig an Männern und Waffen, an Land und Früchten ergiebig, die aber jetzt, preisgegeben der Strafe ihrer Sünden, in eine Einöde verwandelt ist. Und obwohl die Mutterkirche zu Hammaburg die Zierde der Stadt verloren hat, so behält sie doch noch Kräfte, indem sie in ihrem Witwenstand sich wegen ihrer Verluste mit dem Gedeihen ihrer Kinder tröstet, die sie durch die ganze Weite des Nordens hin tagtäglich ihrer Mission zuwachsen sieht. Über sie scheint sie so freudig auszurufen: ‚Ich will sie verkündigen und davon sagen, wiewohl sie nicht zu zählen sind.‘“

1 = Dithmarsen, 2 = Meldorf, 3 = Holsten, 4 = Stör,5 = Schönefeld

Übersetzung nach: J.C.M. Laurent und W. Wattenbach. In: Adam von Bremen. Hamburgische Kirchengeschichte. Geschichte der Erzbischöfe von Hamburg. hrsg. von Alexander Heine. Phaidon: Essen und Stuttgart 1986.

Mattheus Merian: Topographia Germaniae, 1653
„Was Drittens das Land Stormarn betrifft (...) Theils sagen es habe dieses Land 7 Meilen in der Laenge und Braite darinnen seyen die Staette Wedel, Crempe, Itzeho, Glueckstatt et cetera. Vielerwehnter Pontanus schreibet: es lige dieses Land zwischen den Wassern Elbe, Bille, Stoer und Schwale und gehe biß an die Trave; darinnen sich befinden Hamburg, Wedel, Elmehorn, Crempe, Itzeho unnd Bramstaett. Führe zum Wappen einen weissen Schwanen umb dessen Halß eine gueldene Cron gehe. Und dieses darumb, dieweil dieses Land schier voller Pfuetzen und Lachen und zum groesten Theil wegen deß Wassers Anfall und Ungestuemmigkeit mit Waellen unnd Daemmen verwahret seye: Graf Heinrich von Holstein, der umbs Jahr 1421 gestorben, hab sich als ersten einen Herrn in Stormarn nennen lassen.“

Zedler, 1744
„Stormarn, Lateinisch Stormaria, eine Landschafft in Hollstein, so viel als die Marsch an der Stoer, ist der suedliche Theil des gedachten Hertzogthums Hollstein, wird oben durch den Fluß Stoer von dem eigentlichen Hollstein, insonderheit von dem Amte Rendsburg und der Wilster, auf der lincken Seite und zum teil unten durch die Elbe von dem Bremischen, so auf der rechten Seite hin, durch die Bille die Schonbeck, einen Theil der Sule und Barnisbeck, und die Drave von dem Lande zu Sachsen, und von Wagrier abgesondert. Dies Landschafft begreifft drey Theile, nehmlich West-Stormarn, Ost-Stormarn und die Graffschafft Pinneberg, ist voller Moraeste und Seen, und der Ueberschwemmung sehr unterworffen. Die Laege desselben Landes von Glueckstadt bis Trittow erstrecket sich ueber 10, und die Breite von Hamburg bis an die Stoer etwann 7 Meilen. Es liegen ausser der Stadt Hamburg darinnen die Aemter Trittow und Reinbeck, ein großer Theil des Amts Segeberg, die Graffschafft Pinneberg, ein grosser Theil des Steinburg, die Festungen Glueckstadt und Krompe et cetera. Die 2 Aemter Tremsbuettel und Steinhorst auf der Grentze werden eigentlich nicht darzu gerechnet. Das Land ist sehr ungleich. Denn oben, da wo die Fluesse entspringen, hat es viele Heyden, als die Leimfelder-, Segeberger-, Harx-Heyde et cetera aber an der Elbe liegen fruchtbare Marsch[l]aender. Es giebt auch einige, ob wohl nicht gar hohe Berge. Die vornehmsten Fluesse sind die Bille, Alster, Pinnaw, Lengolbeck, Riha, Stoer, Schwale, Salow, Bramaw, Barbeck, Bekaw, Wilster, Wolpurgau, Krempe. Das Land hat zwar sonst ins besondere den Titel einer Graffschafft geführt, ist aber niemahls von Hollstein getrennt gewesen, auch hernach von Friedrichen III. 1474 zugleich nebst Hollstein zum Hertzogtum erhoben worden. Die Koenige in Daenemarck und Hertzoge zu Gottorp haben sich darein, gleichwie in die uebrige Laender, getheilt, und zwar so, daß die 4 Aemter Trittow, Reinbeck, Tremsbuettel, Steinhorst dem Hertzoge, das Amt Steinburg darein Itzeho, Wilstermarsch, Glueckstadt dem Koenige gehoeret, die Graffschafft Pinneberg aber getheilet ist, wiewohl der herzogliche Theil, das Amt Barmstedte an das graefliche Haus Rantzaw verhandelt worden.“

Brockhaus, 1895
„Stormarn, Kreis im preußischen Regierungs-Bezirk Schleswig, hat 927,30 qkm und (1890) 79570 (...) Einwohner, 3 Städte, 128 Landgemeinden und 26 Gutsbezirke. Sitz des Landratsamtes ist Wandsbeck.“

Henning Oldekop: Topographie des Herzogtums Holstein, 1908
„Der Kreis Stormarn liegt im südlichen Holstein zwischen 53° 29‘ und 53° 55‘ nördlicher Breite, 9° 59‘ und 10° 37‘ östlicher Länge von Greenwich; er grenzt im Norden an den Kreis Segeberg, im Osten an das Fürstentum Lübeck, Gebiet der Hansestadt Lübeck und den Kreis Herzogtum Lauenburg, im Süden an letzteren und das Gebiet der freien Hansestadt Hamburg, im Westen an letzteres und den Kreis Pinneberg. Die größte Ausdehnung des Kreises von Nordosten nach Südwesten beträgt 53 km, die größte Breite von Osten nach Westen – in der Mitte des Kreises – 28,5 km. Im Kreisgebiet liegen 4 Enklaven der freien Hansestadt Hamburg. (...) Der Kreis trägt den Namen der früheren Landschaft Stormarn, das ist Stürmer, ein Volk allezeit zum Sturme bereit, welches von Adam von Bremen als der edelste der nordalbingischen Stämme bezeichnet wird. Sie hatten dem Ansturm der slavischen Nachbarn standzuhalten, deren Gebiet durch die Flußbetten der Trave, Beste und Delvenau begrenzt wurde. Das Ziel der räuberischen Einbrüche war die Hauptstadt Hamburg – der Weg nach dort führte durch die Landschaft Stormarn. (...)“